Warum gute Farben mehr können als hübsch aussehen, und was eine Farbberatung sichtbar macht
- Miriam Wölbern

- 28. Feb.
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 20. Apr.
Farbberatung und die Kraft der richtigen Farben

Wie läuft eigentlich eine Farbberatung ab?
Das Grundprocedere einer Farbberatung dürfte ja eigentlich jedem, der sich dafür interessiert, bekannt sein: Man sitzt vor einem Spiegel und bekommt einen Haufen farbiger Tücher umgehängt. Früher wurde man dann in Jahreszeiten eingeordnet: Frühling – Sommer – Herbst – Winter.
Frühling und Herbst deckten eher die wärmeren Farbtöne ab, von zart und hell bis intensiv und dunkel. Sommer und Winter entsprechend die kühleren.
Ich selbst habe das vor Jahrzehnten im Rahmen einer Mutter-Kind-Kur gemacht, wurde als Sommer kategorisiert, habe danach alles Braune und Dunkle aus meinem Kleiderschrank verbannt und mir blonde Strähnchen in die braunen Haare färben lassen. Wie lustig, kann ich heute sagen!
Also: Davon sind wir heute weit entfernt. Ich versuche es mal in Kürze.
Wir schauen uns drei Farb-Parameter an:
den Hell-Dunkel-Wert (Lichtwert)
die Intensität
die Temperatur der Farbe (warm oder eher kühl)
Bei allen drei Parametern geht es darum, was jemand von Natur aus mitbringt. Und – ganz banal – ob es schön aussieht, wenn das in der Kleidung aufgegriffen wird.
Aber, und das ist mir ganz wichtig: Das ist erstmal die perfekte Theorie, um die Farben zu finden, die am frischesten wirken, die Augen betonen und dadurch die Präsenz stärken. Denn wenn der Blick auf die Augen gelenkt wird, entsteht Verbindung – und man nimmt sich wahr.
Im Gegensatz zu Farben, die ablenken, weil sie zu grell sind und die Persönlichkeit überstrahlen. Oder die zu hell sind für dunkle Augen. Oder zu gedeckt, so dass man müde und blass aussieht. Oder Farbtöne, die Rötungen oder Pigmentflecken wiederholen und damit ungünstig betonen.
Mit diesen - sehr individuellen - Farben sieht man also in jedem Fall frischer und präsenter aus, auch ohne Make-up. Mit gutem Make-up natürlich noch mehr, aber das ist wieder auch ein wenig typabhängig. Dazu ein anderes Mal.
Nun kommen – völlig zu Recht – weitere Fragen:
Ändern sich die Farben im Verlauf der Jahreszeiten?
Was mit denn mit meinen Lieblingsfarben?
Und was mit aktuellen Trendfarben?
Können sich die Farben nicht vielleicht irgendwann ändern?
Und irgendwie vermisse ich ein paar Farben, aber warum?...
Der Reihe nach. Ja, im Sommer können (Gesichts-)Farben tatsächlich etwas anders wirken. An den Basics ändert sich nichts. Aber gebräunte Haut wirkt oft erholter und frischer – und dadurch können dann auch die Farbnuancen der Kleidung etwas frischer sein.
Auch wenn manche Kolleginnen jetzt aufschreien werden: Ich kenne Fachfrauen, die im Sommer sogar bewusst von ihren sonst optimalen Farben abweichen. Vielleicht, um dem anderen Lebensgefühl, der Sonne, der Wärme Ausdruck zu verleihen.
Und ganz ehrlich: Das Leben ist doch viel zu schön, um es nicht mit allen Sinnen zu genießen!
Trotzdem ist es klug, die eigenen Parameter zu kennen – die ändern sich nämlich grundsätzlich nicht. Aber, ganz wichtig ist: alles kann, nichts muss! Mit den neuen, geschulten Sehgewohnheiten wird man sowieso viel sicherer im Umgang mit Farben.
Was mit den Lieblingsfarben, und den Trends?
Wer also grundsätzlich die eigenen guten Farben kennt, kann damit wunderbar experimentieren und spielen. Auch das probieren wir in der Farbberatung aus - wo, wenn nicht hier? Wir schauen, wie diese Farben im Vergleich zu den besten Farben wirken und wie sie auf das Gesicht ausstrahlen. Manchmal muss man mit den Farben hin- und her probieren, um die Feinheiten zu erkennen. Und um die Sehgewohnheiten, die sich über Jahre und Jahrzehnte gefestigt haben, zu überprüfen. Denn Farben sind verbunden mit Gefühlen, Erinnerungen, Glaubenssätzen. Und dann wird geschaut, wie sich die gewünschten Farben gut kombinieren lassen, was toll dazu aussieht, ob dann vielleicht noch ein weiterer Akzent hinzukommen sollte.
Damit man danach mit Freude zu den richtigen Farben greift und die Lieblingsstücke trotzdem weiter und gerne anzieht, und bei Trends mitmachen kann oder - mit gutem Gefühl - eben nicht. Und, ganz nebenbei bemerkt: es ist ein supergutes Gefühl, im Gewimmel der Kleidung in den Geschäften schon die unpassenden Farben links liegen zu lassen und gleich auf die schönen hinzusteuern. Was für ein Zeitgewinn! Von den vermiedenen Fehlkäufen ganz zu schweigen...
Und was passiert bei grauen Haaren?
Auch die Frage taucht immer wieder auf: Ändern sich die besten Farben im Alter? Verliert der Farbpass dann die Gültigkeit?
Eigentlich ist die Antwort ganz einfach: Mit den drei oben genannten Parametern Lichtwert - Intensität - Temperatur lässt sich wunderbar darauf eingehen. Zum Beispiel durch das Hinzufügen von hellgrau-silbernen Akzenten in Kleidung oder Accessoires, oder die Anpassung der Intensität. Aber sehr viel mehr braucht es meist nicht. Von wegen: im Alter nur noch Beige…!
Der ausgehändigte Farbpass behält also ein Leben lang Gültigkeit – und kann bei Veränderungen ergänzt werden.
Und ganz ehrlich: es ist ein echter Mehrwert, zu wissen was einem steht, und es nicht bloß zu erraten. Ganz egal, ob für Business-Kleidung oder im Privaten - es wird Wirkung zeigen.
Und sollten einem dann im Farbpass trotz aller genauen Ermittlung noch Farben fehlen, die einfach zu einem dazu gehören, auf die man, aus welchen Gründen auch immer, nicht verzichten möchte, gibt es dafür vielleicht einen wichtigen Grund (der übrigens bei vielen Farbberatungen komplett vernachlässigt wird!). Das könnte sehr wahrscheinlich an einem weiteren Parameter, nämlich dem Stil-Typ bzw. der Stil-Welt liegen, die in der "Basis"-Farbberatung nicht untersucht wird.
Aber was es damit auf sich hat, erzähle ich in einem anderen Beitrag.
Farben wirken immer - die Frage ist nur, ob du es für dich nutzen möchtest
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