Veränderung ist ein Prozess - und wie sich Stil entwickelt
- Miriam Wölbern

- 22. März
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 20. Apr.
Über Stil, Weiterentwicklung und Veränderung

Der Prozess der Veränderung
Wir verändern uns mehrmals im Leben. Manchmal für andere kaum sichtbar, manchmal so deutlich, dass wir uns selbst erst neu kennenlernen müssen. Vielleicht durch Einflüsse von außen, auf die wir reagieren (müssen), oder weil sich im Inneren etwas bewegt. Manchmal will man das auch gar nicht wahrhaben, denn die gewohnten Routinen sind so schön bequem - und fühlen sich doch nicht mehr ganz passend an.
Eine Farbberatung beginnt ja auch mit einer gewissen Unzufriedenheit vor dem Kleiderschrank oder beim wiederholten Blick in den Spiegel. Irgendwann überwiegt die Genervtheit oder auch die Neugier auf Erklärung und Beratung. Und dann sitzt man da, mit bunten oder weniger bunten Tüchern vor dem Spiegel, sieht die Wirkung der Farben auf den eigenen Teint, hört Erklärungen, entscheidet sich für bestimmte Farben und verabschiedet sich von anderen. Es wird ermittelt, welche Farbnuancen dich wacher wirken lassen, dich präsenter machen, dich nicht verkleiden, sondern unterstreichen. Dazu kommt dann vielleicht noch ein Stil-Check, bei dem es um Stoffe, Schnittformen, Muster und Accessoires geht. Bald hältst du dann deinen Farbpass in den Händen, und evtl. noch ein Styleboard. Ok, denkst du, cool - nun ist ja alles klar. Los geht`s.
Die eigentliche Veränderung passiert später
Dann stehst du wieder vor deinem Kleiderschrank, probierst aus, vergleichst, verwirfst, entdeckst neu. Manche Aha-Momente sind sofort da, andere brauchen Zeit. Du zieht ein Teil immer mal wieder an und merkst erst später, warum es doch nicht ganz passt. Du bummelst durch Geschäfte oder online, denkst in Anlässen, siehst Schaufenster und Models, Instagram, Freunde - ganz viele Impulse von außen, die es nicht leichter machen. Du kramst immer wieder den Farbpass hervor, schaust dir das Styleboard an, bekommst nach und nach mehr Sicherheit. Ich selbst kenne das zu gut - es ist manchmal ein Hin und ein Her. Jahre und Jahrzehnte von Überzeugungen, Gefühlen, Erinnerungen und Glaubenssätzen manifestieren sich in Kleidung - das legt man nicht in kürzester Zeit ab. Aber darum geht es auch gar nicht, und ich verspreche: es wird von Mal zu Mal einfacher und logischer. Stilfindung ist kein Schalter, den man umlegt, sondern ein Prozess, der sich entwickelt und verfeinert. Und der dynamisch ist und Spaß macht.
Beim Pilates ist es ja ähnlich, nur erwarten hier die wenigsten ein Wunder nach der ersten Stunde. Muskeln müssen sich aufbauen, Verspannungen lösen, Bewegungsabläufe verstanden werden. Wer regelmäßig trainiert, spürt nach einigen Wochen Veränderungen, nicht spektakulär, aber auch nicht zu übersehen. Es entsteht nach und nach ein anderes Körpergefühl, eine neue Aufrichtung und eine größere Selbstverständlichkeit in der Bewegung. Und dieses Körpergefühl setzt weitere Prozesse in Gang. Man bewegt sich vielleicht mehr, weil es sich gut anfühlt und dadurch Spaß macht. Man achtet bewusster auf sich, weil der eigene Körper plötzlich eine andere Bedeutung bekommt. Die Veränderung kommt selten mit Pauken und Trompeten (außer vielleicht der Muskelkater), sondern eher leise.
Mein eigener beruflicher Wandel
Vor über zwei Jahren habe ich die Ausbildung zur Farb- und Stilberaterin begonnen und meine Pilates-Trainer-Ausbildung abgeschlossen. Ich habe unterrichtet, beraten, ausprobiert – und trotzdem noch das Gefühl gehabt, nicht ganz angekommen zu sein. Also bin ich zurück in die Architektur gegangen, in einen Beruf, den ich eine gefühlte Ewigkeit in allen Facetten kenne. Praktika, Ausbildung, Studium, Architekturbüros und öffentlicher Dienst – mehr als 30 Jahre Erfahrung in Prozessen, in Kreativität und Visualisierung, in Planung und Umsetzung. Architektur ist Begeisterung für Formen und Denken in Zusammenhängen - das bleibt.
Und dann wollte ich plötzlich vollständig in einer neuen Rolle aufgehen, näher am Menschen sein, selbstverständlich, souverän und sichtbar. Das war spannend, aber auch neu. Und es fühlte sich noch etwas fremd an.
Heute weiß ich, dass diese Erwartung an mich selbst unrealistisch war. Auch ich darf durchforsten, ausprobieren, unsicher sein, verwerfen und wieder neu ausprobieren. Dinge entwickeln lassen. In meiner eigenen Stilberatung habe ich wahnsinnig viel Input erhalten - manches war klar, mit anderem konnte ich erst nicht so viel anfangen. Das Eigenbild und der Blick von außen sind Zweierlei, der Blick auf mich selbst festgefahren - und erst mit Abstand und nach und nach verstehe ich, was davon wirklich zu mir passt, und warum.
Mit der Zeit merke ich, wie ich sicherer werde, nicht perfekt, aber stimmig. Ich verbinde meinen neuen Beruf mit meiner bewährten Expertise. Das ist für mich kein Bruch, sondern Weiterentwicklung. Und genau das möchte ich weitergeben: Dein Stil wird nicht von außen verordnet, sondern er entsteht aus dem Inneren - aus dem, was dich ausmacht und was du zeigen möchtest. Dafür musst du nicht von heute auf morgen den gesamten Kleiderschrank austauschen, sondern vielleicht nur neu sortieren, gezielt ergänzen und anders kombinieren.
Veränderung braucht Zeit, Wiederholung und Vertrauen
Und vielleicht ist genau das die Erkenntnis: Wir dürfen wachsen, zweifeln, erkennen und weiterentwickeln, und uns dabei dennoch treu bleiben. Ganz im eigenen Tempo. Und dann fühlt sich auch leicht an.
Alles wird gut.
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